Impfen geht jetzt auch per SMS

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Rotary-Club informiert über Kampf gegen Kinderlähmung  

Info-Stand des RC Bensheim-Heppenheim vor dem Kaufhaus Ganz in Bensheim am 28. Oktober 2017. Foto: rge / RC Bensheim-Heppenheim

Zum Welt-Poliotag (in jedem Jahr am 28. Oktober) macht der Rotary-Club Bensheim-Heppenheim auf das starke Engagement der internationalen Serviceclub-Organisation für eine Welt ohne Kinderlähmung aufmerksam. An einem Informationsstand in der Fußgängerzone in Bensheim wollen die Mitglieder des Rotary-Clubs am Samstag (28.10.) über ihre „Polio-Plus“-Aktivitäten informieren und mit einer Postkarten-Aktion zur Unterstützung dieser Kampagne aufrufen. „Impfen geht jetzt auch per SMS“, erklärt Stefaan Vandevelde, Präsident des RC Bensheim-Heppenheim.

Präsident Stefaan Vandevelde ruft zum Kampf gegen Polio auf. Foto: rge / RC Bensheim-Heppenheim

„Jeder kann bei den alles entscheidenden Impfkampagnen mithelfen“

Wer eine SMS verschickt (mit dem Wort POLIO an die Nummer 81190), kann so fünf Euro spenden und durch die damit finanzierbaren Impfungen zehn Kindern das Leben retten. Wie Stefaan Vandevelde erläutert, ist die Kinderlähmung in der Welt fast besiegt: „Wir geben allen Interessierten die Chance, bei den letzten, alles entscheidenden Impfkampagnen mitzuhelfen und uns alle näher zum Ziel einer Welt ohne Kinderlähmung zu bringen.“ Wer größere Beträge spenden möchte, erhält vom Rotary-Förderverein (Konto-Nr. 303 31 72 bei der Sparkasse Bensheim; IBAN DE 52 5095 0068 0003 0331 72) auch eine Spendenquittung. Der Förderverein wurde 1997 gegründet, um die Aktivitäten des Rotary Clubs Bensheim-Heppenheim zu unterstützen, zu denen auch der Einsatz gegen Kinderlähmung gehört. Im Vorjahr hatte der Club zugunsten der „Polio-Plus-Aktion“ Briefmarken mit Zuschlag verkauft und auf diese Weise mehr als zehntausend Impfungen finanziert.

„Polio-Plus“ ist das größte Projekt, das Rotary in seiner mehr als 110-jährigen Geschichte je angepackt hat: Seit 1988 gelang es mit Partnern wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), den größten Teil der Welt durch massive Impfkampagnen von Polio zu befreien. Durch die großen Fortschritte der zurückliegenden Jahre rückt das Ziel in greifbare Nähe: Bis 2018 soll die Übertragungskette der Infektionen weltweit dauerhaft unterbrochen sein, sodass keine Masseninfektionen mehr auftreten können. Entscheidend für den absehbaren Erfolg war letztlich, dass die Weltgesundheitsorganisation 1988 die Rotary-Erfolge zum Anlass nahm, den Kampf gegen die Kinderlähmung mit Priorität auf ihre Agenda zu nehmen. Erster Schritt zum Erfolg war die Bildung der Global Polio Immunization Initiative (GPEI), der außer WHO und Rotary auch UNICEF und die US-Gesundheitsbehörde CDC angehören. Dank ihres konzentrierten Vorgehens konnte seither die Zahl der jährlichen Neuinfektionen von 350.000 auf nun unter 350 gedrückt werden – eine Erfolgsquote von 99,9 Prozent. Nur noch in drei Ländern (1988: 125 Länder) ist Polio endemisch, in Afghanistan, Pakistan sowie Nigeria. Dort allerdings verhindern die jeweiligen politisch-sozialen Verhältnisse sowie eine schwache medizinische Infrastruktur jede schnelle Lösung. 

Milliarden-Spenden für größte Gesundheitsaktion der Geschichte

Rotary hat über 30 Jahre mehr als eine Milliarde US-Dollar an Spenden für dieses Projekt eingesetzt, dazu unzählige freiwillige Arbeitseinsätze. Dieses Engagement hat 2009 die Bill & Melinda Gates Foundation veranlasst, Rotary mit bisher fast einer halbe Milliarde US-Dollar zu unterstützen. Noch bis 2018 wird Gates jeden von Rotary kommenden Spenden-Dollar verdreifachen (bis zu 35 Millionen US Dollar pro Jahr), weil er vom Erfolg des Rotary-Konzepts überzeugt ist. Neben den genannten beiden Aufgaben trägt Rotary noch eine weitere Verantwortung in der Polio-Kampagne: die internationale Staatengemeinschaft immer wieder daran zu erinnern, dass sie den Großteil der Kosten (etwa 85 Prozent) dieser größten Gesundheitsaktion der Menschheitsgeschichte tragen muss.

Kinderlähmung (Poliomyelitis, kurz: Polio) ist eine von Viren ausgelöste ansteckende Infektionskrankheit der Nervenzellen des Rückenmarks. Die Ansteckung erfolgt über die Aufnahme verschmutzter Lebensmittel oder Wasser bzw. über Schmierinfektion. Das Virus vermehrt sich im Rachen und Magen-Darm-Bereich und gelangt über die Blutbahn in das Rückenmark und den Hirnstamm. Dort können Nervenzellen zerstört werden, was zur Lähmung ganzer Muskelgruppen führen kann. Eine Therapie gegen die Ursachen gibt es nicht, es können nur die Symptome behandelt werden. Der beste Schutz gegen eine Infektion ist deshalb die vorbeugende Impfung, die gegen alle drei Typen des Virus wirksam ist.

Hilfsprojekte an der Bergstraße, in Ecuador und Indien

Stefaan Vandevelde will den RC Bensheim-Heppenheim in seinem Amtsjahr (bis Sommer 2018) zu regerem Engagement motivieren und die Familien der Rotarier intensiver in das Programm einbeziehen: „ Wir wollen uns alle gemeinsam im Club noch stärker einsetzen – Gutes zu tun, regional und international“. Der Förderverein des Clubs hat seit seiner Gründung mehr als 350tausend Euro für gemeinnützige Projekte bereitgestellt. Der Rotary-Club engagiert sich – neben der Unterstützung von Projekten an der Bergstraße (wie der Bensheimer „Tafel“, der Behindertenhilfe und des Hospiz-Vereins) – zum Beispiel auch in Ecuador: Für den Wiederaufbau einer von einem Erdbeben zerstörten Schule in La Codicia (Kanton Flavio Alfaro). Pate für die Ecuador-Aktion der Rotarier ist die Deutsche Schule in Quito, die von Dr. Jürgen Haist (früher Leiter des Lessing-Gymnasiums in Lampertheim) geführt wird. Zudem fördert der Club die „Little Flower School“ (LFS – ein Vorschulprojekt in einem entlegenen Dorf im Ganges-Delta (Jharkhali). Dort werden achtzig Kinder von armen Tagelöhnern, Fischern und Honigsammlern unterrichtet.

Hintergrund: Rotary

Rotary vereint Persönlichkeiten aus allen Kontinenten, Kulturen und Berufen, um weltweit Dienst an der Gemeinschaft zu leisten und um zu einer besseren weltweiten Verständigung beizutragen. Seit der Gründung des ersten Clubs durch vier Freunde vor mehr als 100 Jahren in Chicago hat sich Rotary zu einem weltumspannenden Netzwerk engagierter Persönlichkeiten entwickelt, die eine gemeinsame Vision verfolgen. Sie wollen denen zur Seite stehen, die sich nicht selbst helfen können: Im lokalen Umfeld der eigenen Gemeinde und in internationalen humanitären Hilfsprojekten – Motto: „Selbstloses Dienen“. Der RC Bensheim-Heppenheim hat etwa 50 Mitglieder.

Foto: rge / RC Bensheim-Heppenheim